Luka Bloom - Photos
Luka Bloom @ Schlachthof, Lahr

Sunday, 13 November 2005

Luka Bloom

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Luka Bloom

Photos © Erwin Bergholz

L i v e R e v i e w s
Lahrer Zeitung - Dienstag, 15. November 2005

Eine echte Sternstunde

Luka Bloom überzeugt sein Publikum im 'Schlachthof' auf der ganzen Linie


Von Jürgen Haberer

Lahr. Ein ausverkauftes Haus, ein klassischer Geschichtenerzähler mit musikalischem Gespür und ein Tourneeauftakt nach Maß. Mit dem Auftritt von Luka Bloom erlebte die Reihe "Songs 'n' Singers" am Sonntagabend wieder einmal eine echte Sternstunde.

Als Bruder der irischen Folklegende Christy Moore vor 50 Jahren im irischen Newbridge geboren, konnte Kevin Barry Moore den übergroßen Schatten seines Bruders erst mit der Übersiedelung in die USA abstreifen. Er änderte seinen Namen in Luka Bloom und tauchte ein in die amerikanische Folkszene, deren Spuren auch heute noch in seiner Musik präsent sind. 1995 kehrte er jedoch auf die Grüne Insel zurück und verfestigte damit einen Stil, der unüberhörbar von beiden Kulturkreisen zehrt. Luka Bloom ist der klassische Geschichtenerzähler mit Gitarre, ein Meister gefühlvoller, leicht melancholischer Balladen. Er ist aber auch ein unüberhörbar politischer Folksänger, ein Musiker, der sein Konzert mit einem musikalischen Statement gegen den Krieg im Irak eröffnet und auch mit dem Lebensgefühl und der Lässigkeit der amerikanischen Westküste kokettiert.

Bei seinem Tourneeauftakt im Lahrer "Schlachthof" setzte er hier und da zwar etwas zu viel auf die immer wiederkehrenden Assoziationen auf die Stadt und den Veranstaltungsort. Ausgestattet mit einem feinen Blick, Humor und musikalischem Gespür, gestaltete er jedoch einen gut zweistündigen Auftritt der Extraklasse.

Der Auftakt des Abends gehörte jedoch einem weiteren Spross der musikalischen Familie. Deutlich stärker an der amerikanischen Folkmusik orientiert, absolvierte sein Neffe Gavin Moore erst einmal einen rund 30-minütigen Überraschungsauftritt, der seine starken Momente hatte. Als größter Pluspunkt entpuppte sich dabei der weiche, melodische Klang einer Stimme, die den Zuhörern in einer deutlich gereifteren Form auch bei Luka Bloom begegnete.

Gegenüber seinem wesentlich jüngeren Verwandten legte dieser nach einer kurzen Pause dann aber noch einmal nach. Luka Bloom spielte gekonnt mit der Atmosphäre und den Reaktionen der Zuhörer, servierte gefühlvolle Balladen und kleine Geschichten über die Heimat, stellte sich klar gegen die Politik von George W. Bush und Toni Blair, gegen soziale Kälte und Raffgier. Seine Songs sind aber auch musikalische Perlen, die hier und da folkloristische Ansätze aus ganz Europa streifen, mit Spannungsbögen spielen - ohne den Ansatz eines Folkkonzerts jemals zu verlassen.


Badische Zeitung - Dienstag, 15. November 2005

Mann mit Gitarre

Ein gut aufgelegter Luka Bloom überzeugte im Schlachthof


LAHR (aa). "Ausverkauft", beschied Kevin Barry Moore alias Luka Bloom am Sonntagabend, sei sein "neuestes deutsches Lieblingswort". Ausverkauft war nämlich die Vorstellung des irischen Folksängers, die an diesem Abend im Rahmen der Reihe "Songs 'n' Singers" über die Bühne des Lahrer "Schlachthofs Jugend und Kultur" ging. Eine begeisternde Vorstellung, gesanglich und spielerisch auf höchstem Niveau, mit poetischen Liedern zwischen gesellschaftlichem Engagement und schwelgerischer Naturlyrik, und vor allem mit einem gut aufgelegten, humorvoll selbstironischen Luka Bloom von internationalem Format.

Luka Bloom ist weiß Gott kein Anfänger im Feld der Singer und Songwriter. Als Bruder der irischen Folklegende Christy Moore absolvierte er bereits mit 14 Jahren seine ersten Konzerttourneen. Heute, mit 50 Lenzen im Gepäck, zählt er zu den renommiertesten Barden der grünen Insel, wiewohl er ganz und gar nicht dem Typus der bierseligen irischen Stimmungskanone entspricht.

Nein, nichts von Jigs and Reels bei Luka Bloom! Sanfte Intimität herrscht in seinen Liedern, egal ob er vom Friedensprozess in Nordirland, vom Irak-Krieg, Migrationsproblemen oder seiner Heimat singt. Leicht melancholisch ist Blooms Ton, dabei völlig frei von Larmoyanz und bei aller Gesellschaftskritik getragen von Zuversicht. Dieser optimistische Grundzug, den Bloom sich gegen eine Welt des Zynismus und Sarkasmus ("Innocence") bewahrt hat, schafft die Basis, auf der er im Lahrer Schlachthof mit dem Lahrer Publikum kommuniziert. Wenn er vom Lebensgefühl des "Here and Now" singt, oder den Kindern von Beslan ein zärtliches Instrumental ("Peace on Earth") widmet, dann hat er beim dicht gedrängten Publikum von vornherein gewonnen.

Kommt hinzu, dass Bloom mit selbstironischen Zwischenkommentaren von umwerfend trockenem Humor unterhält. Obwohl er einfach nur auf seinem Stuhl sitzt und kaum eine Miene verzieht, entlockt er dem Publikum mit seinen lakonischen Anmerkungen zu Lahr ("endlich habe ich es hierher geschafft"), zur Bühnentechnik ("der Scheinwerfer brennt mir ein Loch ins Genick") oder seinen Landsleuten ("wir Iren beklagen uns ständig, vor allem übers Wetter") einen Lacher nach dem anderen.

Und dann glänzt Luka Bloom als Gitarrist. Er zupft, streicht und schlägt sein Instrument mit beeindruckender Fingerfertigkeit und liebt es, die Grenzen der heimatlichen Folklore aufzusprengen. Anleihen aus dem Balkan oder Nordafrika und Coverversionen von Bob Dylan oder "The Cure" bereichern sein Programm, das über anderthalb Konzertstunden nie an Intensität verliert.

Keine Frage, Luka Bloom ist ein Meister seiner Zunft. Das Lahrer Publikum erkannte das am Sonntag mit begeistertem Applaus und stürmischen Zugabeforderungen an. Neffe Gavin Moore, den Bloom als sein Vorprogramm mitgebracht hatte, bekam von diesem warmen Regen auch seinen wohlverdienten Anteil ab. In der Familie Moore scheint hochklassige Folkmusik genetisch bedingt zu sein.

Innocence Tour 2005 - Germany >>


© Rena Bergholz - Luka Bloom Page